Suchtmittel Medikamente

Werden Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit, in unnötigen Mengen oder unnötig lange konsumiert, liegt ein Missbrauch vor. Missbräuchlich können fast alle Medikamente verwendet werden, es sind in der Praxis aber v.a. psychoaktive Substanzen (Schlaf-, Schmerz- u. Beruhigungsmittel).

  • Weiterführende Informationen

  • Beratungsangebote

    Bei Fragen zu Medikamentenabhängigkeit sind auch Apothekerinnen oder Apotheker sowie Ärzte und Ärztinnen Ansprechspersonen.

    www.medi-info.ch
    Schweizerische Medikamenten-Informationsstelle (SMI): Patientenberatung und Informationen.
    Beratungstelefon 0900 573 554 (1.49/Min.)

    Beratungsangebote in Ihrer Region

  • Selbsttests

  • Links

     www.kompendium.ch 
    Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Verzeichnis aller in der Schweiz zugelassenen Medikamente.

    www.zuefam.ch 
    Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs (ZüFAM) ist zuständig für die Koordination der Prävention eines missbräuchlichen Medikamentenkonsums im Kanton Zürich.  044 271 87 23

    www.suchtschweiz.ch
    Sucht Schweiz. Fachstelle mit Schwerpunkt Forschung, Präventionskampagnen und -programmen, Information und Dokumentation.

    www.infoset.ch
    Das Schweizer Informationsportal von Infodrog zu Sucht, Drogen, Prävention und Hilfe

    www.elternundsucht.ch
    unterstützt  Eltern mit Suchtproblemen bei ihren Fragen und Überlegungen zu ihrer Rolle als Eltern und hilft neue Wege und Perspektiven ins Auge zu fassen.

Inhalt/Wirkung

Schlaf- und Beruhigungsmittel gehören zu den am meisten verordneten Psychopharmaka. Es handelt sich dabei v. a. um Medikamente mit Wirkstoffen der Benzodiazepingruppe oder Medikamente mit benzodiazepinähnlichen Stoffen. Diese Medikamente können zur kurzfristigen Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sowie bei psychosomatischen Störungen verabreicht werden. Sie wirken angstlösend, beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfend sowie schlaffördernd. Benzodiazepine besitzen ein beträchtliches körperliches wie auch psychisches Abhängigkeitspotenzial.

Risiken

Je nach Dosis und Empfindlichkeit können bei der Einnahme von Benzodiazepinen als unerwünschte Wirkungen Müdigkeit, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Benommenheit und Schwindelgefühl auftreten.
Die Einnahme über längere Zeit kann emotionales Desinteresse, Gereiztheit, schnellere Erschöpfbarkeit, eine Einschränkung der Interessen, Beziehungsprobleme etc. nach sich ziehen.

Werden Benzodiazepine, sei es in niedriger oder hoher Dosis, über einen Zeitraum von zwei Wochen oder mehr eingenommen, besteht zudem das Risiko, abhängig zu werden. Die Abhängigkeit wird jedoch häufig über Jahre nicht als solche erkannt, so dass oftmals viel Zeit verstreicht, bis etwas dagegen unternommen wird.

Bei höherer Dosierung kann es zu Problemen wie z. B. Gedächtnisstörungen, einer geringeren Aufmerksamkeit oder verminderten Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit kommen. Dadurch steigt die Gefahr von Unfällen im Strassenverkehr, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Auch Stürze sind infolge der muskelentspannenden und sedierenden Wirkung nicht selten.

Die Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln während der Schwangerschaft birgt Risiken für das ungeborene Kind. Besondere Vorsicht ist zudem beim Mischkonsum mit anderen Substanzen wie z. B. Alkohol angezeigt.

Werden Benzodiazepine abgesetzt, tauchen je nach Alter, Dosis und v. a. Dauer der Einnahme starke Entzugssymptome auf (Zittern, Frieren, Unruhe, Schlafstörungen bis hin zu Sinnestäuschungen, Ängsten und Krampfanfällen). Um dies zu vermeiden, empfiehlt sich in jedem Fall ein langsames Absetzen, indem die Dosis unter ärztlicher Begleitung stufenweise reduziert wird.

Zahlen und Fakten

Jede zehnte erwachsene Person in der Schweiz nimmt regelmässig Medikamente ein, die süchtig machen können. Nach vorsichtigen Schätzungen sind 60 000 Menschen medikamentenabhängig, weitere 170 000 stark gefährdet, es zu werden (Maffli & Gmel 2000). Frauen konsumieren wesentlich mehr Medikamente mit Suchtpotenzial als Männer. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil an Personen, die täglich Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel zu sich nehmen. Umfragen bei Jugendlichen zeigen auf, dass fast 8% der 15-Jährigen in der Schweiz bereits mit Schlaf- und Beruhigungsmittel in Berührung gekommen sind (ESPAD 2007).

Gesetzliche Bestimmungen

Benzodiazepine, Barbituarate und einige andere Schlaf- und Beruhigungsmittel dürfen in der Schweiz nur gegen ärztliche Verordnung abgegeben werden und fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Gemäss Art. 44 der Betäubungsmittel-Verordnung unterliegen Benzodiazepine der «vereinfachten Verschreibung», so dass sie anstatt auf den nummerierten Betäubungsmittel-Rezeptblöcken auf einfachen Rezeptformularen verschrieben werden können. Die verschriebene Menge darf nicht über den Bedarf für die Behandlung während eines Monats hinausgehen, die Dauer für die Behandlung kann auf höchstens sechs Monate verlängert werden.

Prävention

Die Prävention von Medikamentenmissbrauch ist eine besondere Herausforderung, da Schlaf- und Beruhigungsmittel im Gegensatz zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen gesundheitliche Probleme lindern sollen. Dies tun sie auch, aber einige Konsumierende kommen von diesen Medikamenten nicht mehr los.


Die Prävention hat zum Ziel, der missbräuchlichen Verwendung von Medikamenten und den damit verbundenen Problemen entgegenzuwirken. Dafür kristallisieren sich zwei Hauptzielgruppen heraus: Ärztinnen und Ärzte sowie Apotheker/innen (als Verantwortliche für die Verschreibung bzw. Abgabe) und Konsumierende (betreffend Aufklärung über das Suchtpotenzial und die gesundheitlichen Auswirkungen). Nicht zuletzt spielen auch gesetzliche Regulierungen und die Bundesbehörden eine wichtige Rolle bei der Prävention des Medikamentenmissbrauchs.

Quelle: ZüFAM