Suchtverhalten Online-Konsum

Online-Anwendungen sind heute nicht mehr wegzudenken und bieten viele Chancen und Vorteile. Sie bergen aber auch die Gefahr der Abhängigkeitsentwicklung.

Inhalte mit Gefährdungspotential

Bestimmte Angebote des Internets haben das Potenzial, Nutzer/innen stark an sich zu binden:

  • Online-Games (betroffen sind vor allem männliche Jugendliche)
  • Online-Kommunikation, Social Media (zum Beispiel SMS, Twitter, Facebook, Netlog, Chats, betroffen sind besonders weibliche Jugendliche)
  • Konsum von Sex- und Pornoseiten (der Anteil jüngerer Männer ist hier besonders hoch)

Risiken

Eine exzessive Beschäftigung mit Online-Angeboten kann gesundheitliche und soziale Folgen haben. Wenn sich das Leben nur noch um Internet, Gamen etc. dreht, bleibt weniger Zeit für andere Lebensbereiche. Dies kann sich negativ auf soziale Beziehungen oder auf die schulische resp. berufliche Leistungsfähigkeit auswirken. Beeinträchtigungen der körperlichen Gesundheit können sich zum Beispiel durch Nervosität, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Schlafmangel und -störungen, Sehschwierigkeiten, Haltungsschäden und gestörtes Essverhalten zeigen.
Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf einen schädlichen Gebrauch des Internets hinweisen, beispielsweise wenn die betroffene Person sich zunehmend zurückzieht (soziale Isolation), immer häufiger online ist (Dosissteigerung), Gesprächen zum Umgang mit dem Internet aus dem Weg geht bzw. aggressiv reagiert oder Probleme in der Schule resp. im Beruf hat. Mit der Zeit kann sich aus problematischem Verhalten eine Abhängigkeit entwickelt.

Bei der Onlinesucht fehlt eine direkte psychoaktive Substanz, die eingenommen wird und körperlich abhängig macht. Der Effekt entsteht durch körpereigene biochemische Veränderungen, die durch das exzessives Verhalten ausgelöst werden. Charakteristisch für eine Onlinesucht sind ein starkes Verlangen, das Internet zu gebrauchen, ein Kontrollverlust über den Gebrauch, eine zeitliche Steigerung der Nutzung, eine Einengung der Interessen auf das Internet, Symptome wie z.B. Nervosität, wenn das Internet nicht benutzt wird (Entzugserscheinungen), und Fortführen des problematischen Verhaltens trotz schädlicher Folgen.

Zahlen und Fakten

Von Oktober 2011 bis März 2012 gaben 79,3% der Bevölkerung ab 14 Jahren an, das Internet täglich oder mehrmals pro Woche benutzen. Die Internetnutzung hat insgesamt in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wobei sich die jährlichen Zuwachsraten mittlerweile wieder abschwächen (Bundesamt für Statistik,  2010).
Der Anteil Personen, die ein Abhängigkeitsproblem mit der Nutzung von Internetangeboten haben, ist schwer zu bestimmen. Ausgehend von einer in der Schweiz durchgeführten Studie geht eine Schätzung davon aus, dass hierzulande ungefähr 70 000 Personen onlinesüchtig und 110 000 gefährdet sind (Eidenbenz, 2006). Onlinesüchtige verbringen durchschnittlich 35 Stunden und mehr pro Woche ausserberuflich auf dem Netz.

Prävention

Kinder und Jugendliche sind eine besonders wichtige Zielgruppe der Onlinesuchtprävention. Wichtig ist in erster Linie, dass Eltern, Lehrpersonen und weitere Betreuungspersonen sich dafür interessieren, womit sich Kinder und Jugendliche im Internet beschäftigen. Sie müssen dazu keine Fachkenntnisse, aber die Bereitschaft haben, sich auf ihre Onlinewelt einzulassen. Weiter tragen Regeln zur Nutzung des Internets (z. B. Onlinezeitbudget als Teil der gesamten Bildschirmzeit pro Woche) und ein Augenmerk auf die ausgleichende internetfreie Freizeitgestaltung dazu bei, Probleme zu vermeiden. Beziehungen und Erfahrungen in der «realen» Offlinewelt sind für die Entwicklung notwendig und wichtig. Die Stärkung von Schutzfaktoren wie der Sozialkompetenz und der Abbau von Risikofaktoren wie mangelnde Erfolgserlebnisse in der realen Welt tragen zur Suchtprävention bei.
Ebenso wichtig ist die Förderung der Medienkompetenz, indem die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel lernen, realistische Erwartungen (Qualität und Dauerhaftigkeit der sozialen Kontakte) an das Internet aufzubauen und die Angebote im Internet sicher (persönliche Inhalte und Bilder) zu nutzen.
Das Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte bietet im Kanton Zürich Prävention und Beratung zu Onlinesucht an. (Auszug aus dem Konzept)

Letztmals aktualisiert: September 2012. Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte