Suchtmittel Alkohol

Massvoller Alkoholgenuss ist risikoarm. Regelmässiger hoher Konsum birgt jedoch grosse Risiken.

Die meisten Erwachsenen in der Schweiz trinken Alkohol – und die meisten schädigen dabei ihre Gesundheit nicht. Alkohol ist Teil unserer Kultur und ein gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel. Alkohol kann aber auch abhängig machen und in grossen Mengen konsumiert hat Alkohol viele negative Folgen für die Gesundheit und den Alltag – sei dies bei der Arbeit, in der Familie oder der Freizeit.
Mehr als jede 5. Person ab 15 Jahren trinkt regelmässig in riskantem Ausmass Alkohol; Männer häufiger als Frauen. Zum Beispiel in Form des so genannten Rauschtrinkens, v.a. bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder in Form von chronisch übermässigem Alkoholkonsum, der bei Menschen über 55 Jahren häufiger ist als bei jüngeren.

Warum Prävention wichtig ist:

Gesundheitliche Risiken, ...
Übermässiger Alkoholkonsum gehört zu den häufigsten Ursachen für frühzeitige Todesfälle und für verschiedene Erkrankungen. In der Schweiz ist etwa jeder 12. Todesfall auf einen Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Es gibt kaum ein menschliches Organ, welches durch Alkohol nicht geschädigt werden kann. Am stärksten beeinträchtigt werden die Leber und die Verdauungsorgane. Für mehr als 60 Krankheiten kann ein Zusammenhang mit Alkohol nachgewiesen werden. Unter anderem ist Alkohol krebserregend und verursacht vor allem Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs sowie Brustkrebs bei Frauen. Zudem erhöht ein übermässiger Alkoholkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

... Unfälle, Gewaltakte ...
Das so genannte Rauschtrinken, also der punktuell risikoreiche Konsum, führt in erster Linie zu akuten Verletzungen (z. B. durch Unfälle). Auch Gewaltakte, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Suizide und schwere Verkehrsunfälle sind mögliche Folgen von Rauschtrinken. Oft sind davon auch unbeteiligte Dritte betroffen. Rauschtrinken kann zudem zu einer Alkoholvergiftung mit tödlichem Ausgang führen.

... und Suchtprobleme vermeiden.
Bei vielen Menschen führt ein übermässiger Alkoholkonsum ausserdem in eine Abhängigkeitserkrankung. In der Schweiz leben etwa 250‘000 alkoholabhängige Personen. Neben den körperlichen Gesundheitsrisiken treten bei einer Abhängigkeitserkrankung in aller Regel auch Probleme im Alltag auf und damit verbunden ist viel psychisches Leid. Auch das Umfeld von Suchtkranken leidet mit. Jede dritte Person in der Schweiz kennt jemanden mit einem Alkoholproblem. Für viele dieser Menschen ist die Situation stark belastend. Gerade für Familienmitglieder und insbesondere für Kinder bringen Alkoholprobleme schweres Leid mit sich, welches wiederum zu eigenen psychischen Erkrankungen, insbesondere auch eigenen Suchtproblemen, führen kann.

Empfehlungen: So vermeiden Sie Abhängigkeit

Für gesunde Erwachsene gilt* dieses Trinkverhalten als risikoarm:

Männer

  • sollten nicht mehr als zwei bis maximal drei Gläser alkoholische Getränke pro Tag zu sich nehmen. Ein Glas entspricht dabei etwa 3dl Bier, 1dl Wein oder 4cl Schnaps.
  • Pro Woche sollten mindestens zwei Tage gänzlich alkoholfrei bleiben.
  • Wenn bei seltenen Gelegenheiten im Verlauf mehrere Stunden ausnahmsweise etwas mehr getrunken wird, dann sollten Männer nicht mehr als fünf Gläser trinken. Als Faustregel: Nicht mehr als ein Getränk pro Stunde und zwischen jedem alkoholischen, ein nichtalkoholisches Getränk.

Frauen

  • sollten nicht mehr als ein bis maximal zwei Gläser alkoholische Getränke pro Tag zu sich nehmen. Ein Glas entspricht dabei etwa 3dl Bier, 1dl Wein oder 4cl Schnaps.
  • Pro Woche sollten mindestens zwei Tage gänzlich alkoholfrei bleiben.
  • Wenn bei seltenen Gelegenheiten im Verlauf mehrere Stunden ausnahmsweise etwas mehr getrunken wird, dann sollten Frauen nicht mehr als vier Gläser trinken. Als Faustregel: Nicht mehr als ein Getränk pro Stunde und zwischen jedem alkoholischen, ein nichtalkoholisches Getränk.


Ältere Menschen sollten mit zunehmendem Alter versuchen, den Alkoholkonsum zu reduzieren, da sie in der Regel sensibler auf Alkohol reagieren.
Kinder, Jugendliche bis 16 Jahren sollten keinen Alkohol konsumieren.
Gänzlich verzichtet werden sollte auf Alkoholkonsum während Schwangerschaft und Stillzeit, bei der Einnahme vieler Medikamente (Packungsbeilage beachten/Arzt oder Apotherkerin fragen), im Strassenverkehr, bei der Arbeit und Tätigkeiten, die erhöhte Konzentration erfordern sowie bei sportlichen Aktivitäten.
*Empfehlungen der eidgenössischen Kommission für Alkoholfragen

Für junge Erwachsene: Sich und Freunde vor den Risiken des Rauschtrinkens schützen

  • Bereits vor dem Ausgang abmachen, wie man nach Hause gelangt. Falls man motorisiert unterwegs ist, bestimmen wer am Steuer sitzen wird und einen alkoholfreien Abend verbringt. Dafür sorgen, dass NIE jemand betrunken am Steuer sitzt.
  • Safer Use Regeln selbst anwenden und versuchen, auch Freunde darin zu unterstützen. Safer Use Regeln sind:
    - Nie auf leeren Magen trinken.
    - Frauen: nicht mehr als 2 Getränke (Stange oder Glas Wein oder Schnaps/Drink) pro Tag, bei seltenen speziellen Anlässen können es – über mehrere Stunden verteilt – auch einmal 4 Getränke sein. Männer: nicht mehr als 3 Getränke pro Tag, bei seltenen speziellen Anlässen können es – über mehrere Stunden verteilt – auch einmal 5 Getränke sein.
    - Zwischen einzelnen alkoholischen Getränken immer eine Pause von mindestens einer Stunde einlegen und dabei etwas Nicht-Alkoholisches trinken.
  • Kein Mischkonsum: Alkohol sollte nicht gleichzeitig oder kurz hintereinander mit anderen Suchtmitteln konsumiert werden, weil es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann.
  • Niemandem etwas zum Trinken anbieten, der nichts mehr will.
  • Wenn jemand offensichtlich betrunken ist, dafür sorgen, dass er/sie keinen Alkohol mehr bekommt und nach Hause geht/begleitet oder abgeholt wird.
  • Wenn Streit aufkommt: Dazwischen gehen, falls es die Situation erlaubt. Nicht argumentieren sondern dafür sorgen, dass dein Freund/deine Freundin vom Konfliktort weggeht.
  • Wenn jemand ohnmächtig wird: Krankenwagen rufen. Alkoholvergiftungen können tödlich enden, wenn keine Hilfe kommt.
  • Trinke keinen Alkohol, wenn du schlecht gelaunt bist. Alkohol löst keine Probleme!
  • Alkohol enthemmt - auch, wenn es um Sex geht. Deshalb zur Sicherheit immer Kondome dabei haben.

Prävention setzt früh an und kennt verschiedene Ansätze

Empfehlungen und Wissensvermittlung sind ein Tätigkeitsfeld der Prävention. Prävention setzt im Idealfall früh – also schon im Jugendalter – ein. Präventionsfachleute arbeiten darum oft mit Schulen oder Sozial- und Jugendarbeitenden zusammen, etwa indem sie mit Schulen Konzepte erarbeiten, dass Kinder und Jugendliche in Schwierigkeiten möglichst früh geeignete Unterstützung erhalten. Ein weiteres sehr wichtiges Instrument ist die Schaffung günstiger gesetzlicher Rahmenbedingungen. So können ein hoher Preis und eine eingeschränkte Erhältlichkeit von Alkohol (etwa durch Verkaufsverbote zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Orten) Suchtprobleme und weitere negative Auswirkungen von übermässigem Alkoholkonsum nachweislich verringern.

Abhängig von Alkohol: Was tun?

Heute ist bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit oft nicht mehr die Abstinenz das Ziel, sondern der massvolle Konsum. Viele Betroffene schaffen es aus eigener Kraft, ihren Konsum zu reduzieren. Daneben gibt es im Kanton Zürich verschiedene Fachstellen für Suchtberatung und auch Angebote in einem Spital oder in einer Klinik. Auch Online existieren verschiedene Angebote. Angehörige werden von den meisten Stellen ebenfalls beraten. Informieren Sie sich direkt bei diesen Stellen:

  • www.suchtberatung-zh.ch Übersicht zu allen ambulanten Fachstellen für Alkoholprobleme im Kanton Zürich

  • «drink-less-Schweiz» 
Die Website und eine dazu gehörende kostenlose App unterstützen Personen, die ihren Alkoholkonsum beobachten oder selbständig verringern möchten.

  • www.mamatrinkt.ch www.papatrinkt.ch Website für Kinder und Jugendliche, deren Eltern trinken. Mit Informationen über Alkoholabhängigkeit, wertvolle Adressen sowie einem Forum, für den Austausch mit anderen Kindern oder Jugendlichen.

  • www.elternundsucht.ch 
Unterstützt Eltern mit Suchtproblemen bei ihren Fragen und Überlegungen zu ihrer Rolle als Eltern und hilft neue Wege und Perspektiven ins Auge zu fassen.

  • Beratungsangebote in Ihrer Region

Letztmals aktualisiert: Dez. 2015 ZüFAM